„Kassen zerstören das Präventionsangebot Müttergenesung“

Nach Besuch im Caritas-Haus St. Hedwig in Bad Steben: Landtagsvizepräsident will Sozialministerium kritische Fragen stellen
„Es kann doch nicht sein, dass ein Präventionsangebot kaputtgemacht wird und die Leute dann letztlich in der Psychiatrie landen.“ Mit deutlichen Worten kritisierte Walter Pretsch, Geschäftsführer des Caritasverbandes Hof, die rigide Ablehnungspraxis der Krankenkassen, wenn es um die Genehmigung von Mütter- oder Mutter-Kind-Kuren geht. So einfach durchkommen werden die Kassen damit freilich nicht. Denn Peter Meyer, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, hat einige kritische parlamentarische Anfragen zum Thema zugesagt.
Peter Meyer war zu Gast im Caritas-Haus St. Hedwig in Bad Steben. Die vom Müttergenesungswerk anerkannte Einrichtung, die für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen 20 Frauen und 35 Kinder aufnehmen kann, war 2010 gerade mal zu 56 % ausgelastet. Denn Müttergenesung ist zwar seit 2007 eine Pflichtleistung der Krankenkassen, doch die versuchen mit allen Mitteln, Frauen von einer Mutter-Kind-Kur abzuhalten. Mal ist die Frau noch nicht krank genug für eine Müttergenesung, mal ihre Krankheit schon zu sehr chronisch verfestigt. Ist sie verheiratet, soll sie der Mann halt mehr entlasten. Ist sie alleinerziehend, soll sie froh sein, sich nicht auch noch um einen Mann kümmern zu müssen. So zitierten Kurberaterinnen der Caritas aus den teils haarsträubenden Ablehnungsbescheiden, die meist nicht von Ärzten, sondern irgendwelchen Sachbearbeitern verfasst werden. Und so berichtete es auch eine betroffene Mutter, deren Antrag abgelehnt wurde, weil angeblich Atteste fehlten, obwohl sowohl Haus- als auch Facharzt die Notwendigkeit einer Rehabilitationsmaßnahme bestätigt hatten.
Dazu kommen auffällige Unterschiede. So liegt Bayern mit einer Ablehnungsquote von 41 % bei den Anträgen ohnehin schon deutlich über seinem Nachbarland Baden-Württemberg. Beim Caritasverband Hof waren es 2010 fast 57 %. Und die Krankenkasse AOK erreicht im Erzbistum Bamberg sogar eine Ablehnungsquote von 59 %.
Für Peter Meyer war dies alles wenig nachvollziehbar. Er sieht die Rechtsaufsicht des bayerischen Sozialministeriums über die Kassen, insbesondere die AOK, vernachlässigt. Er will daher zu dem Mittel greifen, das ihm als Oppositionspolitiker in solchen Fällen nur bleibt: vom Sozialministerium Auskunft zu verlangen. Das will übrigens auch die Landtagsabgeordnete Christa Steiger tun. Sie hatte kürzlich im Diözesan-Caritasverband mit Kurberaterinnen aus dem ganzen Erzbistum gesprochen.